Mais in Deutschland und anderen Galaxien von Olivia Wenzel

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Text  –  Olivia Wenzel

Ausstattung  –  Petra Korink

Dramaturgie  –  Katja Wenzel & Nora Haakh

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Ich bin sieben Jahre alt, klettere auf einen Baum und starre in den Himmel. So viele, schöne Lichtpunkte. Ich falle rückwärts runter und schlage mir den Kopf auf, Platzwunde. Als meine Mutter mich sieht, sagt sie: „Scheiße, bist du bescheuert.“

Susanne hätte Noah gerne nach seiner Geburt zu dessen Vater nach Angola gebracht. Noah war mehr ein Plan für ihren Ausbruch als etwas, was bindet. Sie wollte schon immer weg – damals aus der Enge des eigenen Elternhauses, der Begrenztheit der DDR, dann aus allen Beziehungen, in denen sie war und jetzt vor allem weg von Noah. Ihrem Sohn, den sie nicht geliebt kriegt, und der sie einfach so ans Leben fesselt. Kompromisse machen Löcher in die Menschen. Diese Löcher gehen nie wieder zu.

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Mais ist die Geschichte von Heranwachsenden – eine Geschichte der Sehnsucht nach Anerkennung. Während Susanne provoziert, versucht Noah, nicht weiter aufzufallen – seine bloße Existenz scheint Provokation genug für andere zu sein. Susannes Rebellion wird zu Noahs Trägheit – in der die Zeit vergeht, Gegenwart erinnert und Erinnerung vergegenwärtigt wird. Dazwischen sucht Noah sich selbst, liebt andere. Wünscht sich einen Platz im Kopf der Mutter, wird Familienvater. Er zeichnet Comics, kreiert hier seine Geschichte, die noch keiner braucht – ohne Glitzer, ein fancy Staubfänger eben. In ihr würde Noah seine Mutter am liebsten auf den Mond katapultieren. Doch erst geht’s durchs gesamtdeutsche Maisfeld, bis das Mädchen Lila den beiden vors Vehikel springt. Lila liebt halbe Stunden, kleine Dinge und vor allem – wunde Punkte.

Und was ist die Überraschung? Es gibt keine. Nur wir hier, das ist alles.

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Susanne und Noah begegnen sich im Andromedanebel – zwischen ostdeutschem Punk und fliegenden Popkörnern.

Mais spiegelt gesellschaftliche Kontexte in fiktiven Biografien, die auch immer die eigenen, ganz persönlichen sein können und erzählt von der Unmöglichkeit des anscheinend Selbstverständlichen: der Liebe zwischen Mutter und Kind.

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Eine Produktion von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH, gefördert von der Einzelprojektförderung des Landes Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin im Rahmen von We are Tomorrow. Der Text ist entstanden innerhalb der postmigrantischen Literaturwerkstatt “Rauş – Neue deutsche Stücke”, in Zusammenarbeit mit dem Maxim Gorki Theater und dem Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Uraufführung 19. Februar 2015

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Der kleine Prinz

Nach dem Märchen von Antoine de Saint-Exupéry.

REGIE Atif Hussein

BÜHNENBILD & KOSTÜME Leif Eric Heine

Premiere 5. Oktober 2014, Theater Magdeburg

 

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Lena Sophie & Konstantin Marsch

 

PRINZ

Ich dachte, ich hätte eine Rose, die einzig ist. Aber sie ist nur eine unter vielen.

FUCHS

Nein. Diese hier ähneln zwar deiner Rose, aber schau sie genau an. Was macht deine Rose einzig in der Welt?

PRINZ

Ich bin mit ihr vertraut! Sie hat mich gezähmt.

twenty.fifteen


KUENDA Productions “Twenty.fifteen” (first workshop June 2014)

TWENTY.FIFTEEN- into the unknown

TEXT: Olufemi Terry | CHOREOGRAFIE: Antonio Bukhar & Olivia Marinoni | REGIE: Atif Hussein | TANZ: Antonio Bukhar, Kelvin Campbell, Maylene Chenjerayi, Pascale Firholz, Rockey Lionel Tanaka, Yeukai Zinyoro | SPIEL: Tafadzwa Hananda, Tobias Schulze MUSIK: Ronald Kibirige, Hope Masike, ProBeatz, Kilian Unger VIDEO: Xaver Xylophon | PRODUKTION: KUENDA productions, Antonio Bukhar, PlotMhako, Cindy Jänicke |

IN KOPRODUKTION MIT: Schauburg München; Zimbabwe-German-Society / Goethe-Zentrum Harare; Alliance Francaise; University of Zimbabwe; Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen | UNTERSTÜTZT VON: Jibilika Dance Trust, Landeshauptstadt München Kulturreferat.

Mit Tanz, Schauspiel und Musik erzählt das interkontinentale Künstlerkollektiv KUENDA productions eine treffend im Heute verankerte Geschichte von Jugendlichen in, aus und zwischen Zimbabwe und Deutschland. „Wer ist, was will die junge Generation?“ Ob aus Townships, Eliteschulen, Mittelschicht oder Brennpunktvierteln – virtuell reisen sie über den ganzen Erdball. Wie ist es im Konkreten? Als Ein- oder Auswanderer, Kind binationaler Eltern, Pendler zwischen Welten oder stets am selben Ort Lebender? Was trennt, was verbindet? Was passiert emotional und was mit der eigenen Identität?

Der Text von TWENTY.FIFTEEN verarbeitet vielstimmige Antworten aus Projekten in Afrika und Europa. KUENDA productions, über ein Dutzend Akteure aus verschiedenen Genres, kreiert blitzlebendige multiästhetische Ereignisse. So wie 15-Jährige sich, Elemente aus unterschiedlichsten Herkunftskontexten jonglierend, ihre eigenen Kulturen „bauen“, setzen die Künstler ihre Medien für das gemeinsame Werk ein. Urbane Moves und Styles, zeitgenössische Tanzkunst, Gesang, Live-Musik, vokales Beatboxing, Schauspiel und Stand-Up-Comedy fügen sich zu einem narrativen Resonanzkörper der Erlebnisse und Stimmungen des Wanderns zwischen den Kontinenten.

DER GUTE MENSCH VON SEZUAN

VON BERTOLT BRECHT / MIT MUSIK VON PAUL DESSAU
28. SEPTEMBER 2013 / PREMIERE / DEPOT 2

Der Himmel ist in Aufruhr. Interne Diskussionen um mögliche Fehler bei der Weltschöpfung veranlassen die Götter nach Jahrtausenden endlich, ihr Werk einer Revision zu unterziehen. Drei Abgesandte sollen die Beschaffenheit der Erde überprüfen. Doch selbst der scheinbar niedrigste Qualitätsstandard – ein einziger guter Mensch reicht dem himmlischen Komitee, die Existenz der Welt zu rechtfertigen – erweist sich als zu ambitioniert. Ernüchtert von den Menschen und vom mangelnden Reisekomfort zermürbt, treffen sie in Sezuan auf die junge Prostituierte Shen Te, die als Einzige bereit ist, die hohen Gäste aufzunehmen. Die Götter sind erfreut. Das Ende der Mission scheint nahe. Sie rühmen die Güte des Mädchens, statten es mit einem kleinen Kapital aus, zu verzinsen in guten Taten, und verabschieden sich eilig gen Himmel.
Der Mikrokredit ermöglicht es Shen Te, sich mit einem Tabakladen selbständig zu machen. Ihr bescheidener Wohlstand aber weckt Begehrlichkeiten. Als die Bitten ihrer Mitmenschen zu Forderungen werden und sie ihre Hilfsbereitschaft täglich hemmungsloser missbraucht sieht, erschafft sie sich ein kapitalistisches Alter Ego: einen Vetter Namens Shui Ta, in dessen Gestalt sie ihre eigenen Interessen durchzusetzen vermag. Immer häufiger kommt dieser Vetter zu Besuch, bis Shen Te, von ihrem lieblosen Verlobten Sun geschwängert und verlassen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, ihn schließlich ganz von sich Besitz ergreifen lässt. Befreit von jedem moralischen Anspruch baut Shen Te als Shui Ta ihren kleinen Laden zu einem ausbeuterischen Tabakimperium aus. Je skrupelloser jedoch das Vorgehen ihres erfundenen Vetters, desto schmerzlicher wird die gütige Shen Te von den Menschen in Sezuan vermisst. Sie wittern einen Mord und bringen den Emporkömmling Shui Ta vor Gericht. Den Prozess aber leitet niemand anderes als die drei Götter. In ihrer Verzweiflung entdeckt Shen Te/Shui Ta ihnen das doppelte Spiel: »Gut sein zu anderen und zu mir konnte ich nicht zugleich.«

REGIE MORITZ SOSTMANN / BÜHNE CHRISTIAN BECK / KOSTÜME ELKE VON SIWERS / MUSIKALISCHE LEITUNG PHILIPP PLESSMANN / PUPPENBAU ATIF HUSSEIN • FRANZISKA MÜLLER-HARTMANN / DRAMATURGIE NINA RÜHMEIER