Walking Large

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In der Natürlichkeit, in der Dimension dieser persönlichen Schicksale [der Figuren] steckt der politische Sprengstoff.

Toks Körner

 

Screenshot (19)

Trailer: https://vimeo.com/258587238

Kostüm

Video

Dramaturgische Beratung

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Ich will, dass die von der anderen Seite die Wahrheit erfahren, denn mir werden sie

nicht glauben.

 

Tomo wartet auf den Haftrichter. Marc sucht die richtige Krawatte für seine Antrittsvorlesung. Zwei Brüder. Damals, als er noch nicht schwimmen konnte, versuchte Tomo das Meer rappend zu besänftigen; sein Bruder Marc nahm sich vor, ein einwandfreies Leben zu führen: Familie, Karriere, Krawatte. Zwei Wege, das Leben zu meistern. Oder auch nicht. Die gesellschaftlichen Normen erfüllen zu wollen, kann so absurd sein wie der Versuch, das Meer zu bezirzen.

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Jetzt sitzt Tomo im Gefängnis. Statt der Hilfe kommt der Zweifel. Statt der Anklage die öffentliche Vorverurteilung in den Schlagzeilen. Statt des Vaters der Bruder. Und statt des unabhängigen Haftrichters kommt Steven.

 

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Die Vergangenheit staut sich in der Zelle, Schichten des Verdrängten verdicken die Wände.

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Und während der Bewegungsraum kleiner wird, drückt die Schuld, drängen die Fragen nach dem eigenen Verschulden und dem der Gesellschaft: Denn welche Rollen bietet die Gesellschaft? Welche Beziehungen sind damit möglich? Welche Selbstbilder?

 

 

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Walking Large zeigt drei Männer, den Zweifel und ihr gesellschaftliches Umfeld. Walking Large ist ein Beziehungsdrama. Und ein Gesellschaftsporträt. Dieses Stück, mit dem der Schauspieler und Drehbuchautor Toks Körner sein Debut als Theaterautor gibt, entstand im Auftrag des Ballhaus Naunynstraße. Es ist eine überfällige, zeitgenössische, selbstbestimmte Repräsentation Schwarzer Männer auf einer deutschen Bühne. Das Theater wird hier, mit der Produktion Walking Large, zum Ort für die Sichtbarkeit Schwarzer Geschichten, ihrer Repräsentation, und zu einem Raum der Resonanz für Schwarze Positionen.

 

Eine Produktion von Kulturprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH. Erstproduktion im Rahmen des Festivals Republik Repair, gefördert aus Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Europa und aus Mitteln der Bundeszentrale für politische Bildung.
Uraufführung 23. September 2017
Bilder © Ute Langkafel MAIFOTO und ©Wagner Carvalho

 

Mais in Deutschland und anderen Galaxien von Olivia Wenzel

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Text  –  Olivia Wenzel

Ausstattung  –  Petra Korink

Dramaturgie  –  Katja Wenzel & Nora Haakh

 

Mais in Deutschland und anderen Galaxien – Trailer

 

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Ich bin sieben Jahre alt, klettere auf einen Baum und starre in den Himmel. So viele, schöne Lichtpunkte. Ich falle rückwärts runter und schlage mir den Kopf auf, Platzwunde. Als meine Mutter mich sieht, sagt sie: „Scheiße, bist du bescheuert.“

Susanne hätte Noah gerne nach seiner Geburt zu dessen Vater nach Angola gebracht. Noah war mehr ein Plan für ihren Ausbruch als etwas, was bindet. Sie wollte schon immer weg – damals aus der Enge des eigenen Elternhauses, der Begrenztheit der DDR, dann aus allen Beziehungen, in denen sie war und jetzt vor allem weg von Noah. Ihrem Sohn, den sie nicht geliebt kriegt, und der sie einfach so ans Leben fesselt. Kompromisse machen Löcher in die Menschen. Diese Löcher gehen nie wieder zu.

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Mais ist die Geschichte von Heranwachsenden – eine Geschichte der Sehnsucht nach Anerkennung. Während Susanne provoziert, versucht Noah, nicht weiter aufzufallen – seine bloße Existenz scheint Provokation genug für andere zu sein. Susannes Rebellion wird zu Noahs Trägheit – in der die Zeit vergeht, Gegenwart erinnert und Erinnerung vergegenwärtigt wird. Dazwischen sucht Noah sich selbst, liebt andere. Wünscht sich einen Platz im Kopf der Mutter, wird Familienvater. Er zeichnet Comics, kreiert hier seine Geschichte, die noch keiner braucht – ohne Glitzer, ein fancy Staubfänger eben. In ihr würde Noah seine Mutter am liebsten auf den Mond katapultieren. Doch erst geht’s durchs gesamtdeutsche Maisfeld, bis das Mädchen Lila den beiden vors Vehikel springt. Lila liebt halbe Stunden, kleine Dinge und vor allem – wunde Punkte.

Und was ist die Überraschung? Es gibt keine. Nur wir hier, das ist alles.

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Susanne und Noah begegnen sich im Andromedanebel – zwischen ostdeutschem Punk und fliegenden Popkörnern.

Mais spiegelt gesellschaftliche Kontexte in fiktiven Biografien, die auch immer die eigenen, ganz persönlichen sein können und erzählt von der Unmöglichkeit des anscheinend Selbstverständlichen: der Liebe zwischen Mutter und Kind.

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Eine Produktion von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH, gefördert von der Einzelprojektförderung des Landes Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin im Rahmen von We are Tomorrow. Der Text ist entstanden innerhalb der postmigrantischen Literaturwerkstatt “Rauş – Neue deutsche Stücke”, in Zusammenarbeit mit dem Maxim Gorki Theater und dem Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Uraufführung 19. Februar 2015

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twenty.fifteen


KUENDA Productions “Twenty.fifteen” (first workshop June 2014)

TWENTY.FIFTEEN- into the unknown

TEXT: Olufemi Terry | CHOREOGRAFIE: Antonio Bukhar & Olivia Marinoni | REGIE: Atif Hussein | TANZ: Antonio Bukhar, Kelvin Campbell, Maylene Chenjerayi, Pascale Firholz, Rockey Lionel Tanaka, Yeukai Zinyoro | SPIEL: Tafadzwa Hananda, Tobias Schulze MUSIK: Ronald Kibirige, Hope Masike, ProBeatz, Kilian Unger VIDEO: Xaver Xylophon | PRODUKTION: KUENDA productions, Antonio Bukhar, PlotMhako, Cindy Jänicke |

IN KOPRODUKTION MIT: Schauburg München; Zimbabwe-German-Society / Goethe-Zentrum Harare; Alliance Francaise; University of Zimbabwe; Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen | UNTERSTÜTZT VON: Jibilika Dance Trust, Landeshauptstadt München Kulturreferat.

Mit Tanz, Schauspiel und Musik erzählt das interkontinentale Künstlerkollektiv KUENDA productions eine treffend im Heute verankerte Geschichte von Jugendlichen in, aus und zwischen Zimbabwe und Deutschland. „Wer ist, was will die junge Generation?“ Ob aus Townships, Eliteschulen, Mittelschicht oder Brennpunktvierteln – virtuell reisen sie über den ganzen Erdball. Wie ist es im Konkreten? Als Ein- oder Auswanderer, Kind binationaler Eltern, Pendler zwischen Welten oder stets am selben Ort Lebender? Was trennt, was verbindet? Was passiert emotional und was mit der eigenen Identität?

Der Text von TWENTY.FIFTEEN verarbeitet vielstimmige Antworten aus Projekten in Afrika und Europa. KUENDA productions, über ein Dutzend Akteure aus verschiedenen Genres, kreiert blitzlebendige multiästhetische Ereignisse. So wie 15-Jährige sich, Elemente aus unterschiedlichsten Herkunftskontexten jonglierend, ihre eigenen Kulturen „bauen“, setzen die Künstler ihre Medien für das gemeinsame Werk ein. Urbane Moves und Styles, zeitgenössische Tanzkunst, Gesang, Live-Musik, vokales Beatboxing, Schauspiel und Stand-Up-Comedy fügen sich zu einem narrativen Resonanzkörper der Erlebnisse und Stimmungen des Wanderns zwischen den Kontinenten.

DER GUTE MENSCH VON SEZUAN

VON BERTOLT BRECHT / MIT MUSIK VON PAUL DESSAU
28. SEPTEMBER 2013 / PREMIERE / DEPOT 2

Der Himmel ist in Aufruhr. Interne Diskussionen um mögliche Fehler bei der Weltschöpfung veranlassen die Götter nach Jahrtausenden endlich, ihr Werk einer Revision zu unterziehen. Drei Abgesandte sollen die Beschaffenheit der Erde überprüfen. Doch selbst der scheinbar niedrigste Qualitätsstandard – ein einziger guter Mensch reicht dem himmlischen Komitee, die Existenz der Welt zu rechtfertigen – erweist sich als zu ambitioniert. Ernüchtert von den Menschen und vom mangelnden Reisekomfort zermürbt, treffen sie in Sezuan auf die junge Prostituierte Shen Te, die als Einzige bereit ist, die hohen Gäste aufzunehmen. Die Götter sind erfreut. Das Ende der Mission scheint nahe. Sie rühmen die Güte des Mädchens, statten es mit einem kleinen Kapital aus, zu verzinsen in guten Taten, und verabschieden sich eilig gen Himmel.
Der Mikrokredit ermöglicht es Shen Te, sich mit einem Tabakladen selbständig zu machen. Ihr bescheidener Wohlstand aber weckt Begehrlichkeiten. Als die Bitten ihrer Mitmenschen zu Forderungen werden und sie ihre Hilfsbereitschaft täglich hemmungsloser missbraucht sieht, erschafft sie sich ein kapitalistisches Alter Ego: einen Vetter Namens Shui Ta, in dessen Gestalt sie ihre eigenen Interessen durchzusetzen vermag. Immer häufiger kommt dieser Vetter zu Besuch, bis Shen Te, von ihrem lieblosen Verlobten Sun geschwängert und verlassen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, ihn schließlich ganz von sich Besitz ergreifen lässt. Befreit von jedem moralischen Anspruch baut Shen Te als Shui Ta ihren kleinen Laden zu einem ausbeuterischen Tabakimperium aus. Je skrupelloser jedoch das Vorgehen ihres erfundenen Vetters, desto schmerzlicher wird die gütige Shen Te von den Menschen in Sezuan vermisst. Sie wittern einen Mord und bringen den Emporkömmling Shui Ta vor Gericht. Den Prozess aber leitet niemand anderes als die drei Götter. In ihrer Verzweiflung entdeckt Shen Te/Shui Ta ihnen das doppelte Spiel: »Gut sein zu anderen und zu mir konnte ich nicht zugleich.«

REGIE MORITZ SOSTMANN / BÜHNE CHRISTIAN BECK / KOSTÜME ELKE VON SIWERS / MUSIKALISCHE LEITUNG PHILIPP PLESSMANN / PUPPENBAU ATIF HUSSEIN • FRANZISKA MÜLLER-HARTMANN / DRAMATURGIE NINA RÜHMEIER

Der gute Mensch von Sezuan

Der gute Mensch von Sezuan

Der Teppichhändler & seine Frau

Philemon und Baucis

In einem Dorfe voll wohlhabender Einwohner, so erzählt Ovid, lebte ein armes, aber zufriedenes und durch Eintracht und Liebe glückliches Ehepaar, Philemon und Baucis. Zu jenem Dorfe wandelten einst in Menschengestalt Zeus und Hermes, wie bisweilen die Himmlischen thaten, um die Sterblichen zu versuchen. Die Götter klopften an alle Thüren, bittend um Aufnahme für eine Nacht, doch keine öffnete sich. Nur die Aermsten des Orts nahmen die Fremdlinge auf, und trugen willig herbei, was ihre Dürftigkeit vermochte. Dankbar segneten die Götter das frugale Mahl, und immer von Neuem füllte sich von selbst der Weinkrug. Da erkannten die Gatten, daß ihre Gäste Unsterbliche seien, und beteten sie an. Nun offenbarte sich der Gott der Götter gnädig und zürnend zugleich. Er führte die alternden Gatten auf einen Hügel, von dem sie sahen, wie schwellende Wasserfluthen heranbrausten und alle Häuser des Ortes und alle Bewohner verschlangen. Nur die Hütte des gastlichen Paares blieb stehen, und wölbte sich zum säulengetragenen Göttertempel. In diesem ferner den Göttern dienen zu dürfen und dann vereint zu sterben, ist Alles, was Philemon und Baucis erflehen, und gnädig gewährte der Göttervater diese fromme Bitte. Lange Jahre lebten als treue Hüter des Tempels die beiden Treuverbundenen, bis ihnen im hohen Greisenalter das Ende nahte. Aber Keines von beiden sah das Andere sterben, sondern zugleich wurden beide in starke Bäume, Philemon in eine Eiche, Baucis in eine Linde verwandelt, die vor dem Tempeleingang standen; und so umfingen sie einander mit dem Gezweig noch liebend nach der Verwandlung, und es rauschte das Lob der Gottheit durch die flüsternden Blätter.

Megafon – Tübingen

HÖLDERLINHAFEN. DAS MEGAFONSPEKTAKEL

Finale zum Stadtprojekt MEGAFON – TÜBINGEN SCHALLT UND HALLT am LTT.

von Collage von Sandra Hoffmann

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Premiere: 22. Juni 2012

Projektleitung: ­Maria Viktoria Linke und Sandra Hoffmann // Szenographie & Installationen: Atif Hussein // Photographie: Jan Münster // Mitwirkende: das LTT-Ensemble // TERMINE: 22. & 23.06.2012 // 17 Uhr // Ort: im gesamten LTT // mit Hafenkneipe & EM-Übertragung.

Tourismus-Träume eines Bürgermeisters: Tübingen braucht einen Hafen. Hölderlin muss weichen. Der Turm wird Anlegestation, Matrosenkneipe und Sitz der „Hölderlin-Line“. Der Rubel soll rollen, die Bürgerschaft grummelt und grollt. Die Leserbriefhure hat Hochkonjunktur, der Stadtschreier erklimmt die Speaker’s Corner und stiftet ein bisschen Wahnsinn, selbst die Schwäne verdrehen ihre Hälse.

Die ganze Spielzeit hingen wir am Sprachrohr des Bürgers*, gingen hinein in die Stadt und kamen mit Tübingern ins Gespräch. Wer, wie, was ist Tübingen? Wie liest sich die Stadt in Leserbriefzeilen und -versen, und was steht dazwischen?

Wir laden Sie herzlich ein zu unserem großen zweiteiligen Megafon-Spektakel. Der erste Teil ist ein Rundgang durch das gesamte LTT. Im zweiten Teil erleben Sie die Tübingen-Collage von Sandra Hoffmann auf der Bühne des Großen Saals. Lassen Sie sich von uns durch eine Tübingen-Fiktion führen und entdecken Sie dabei Aufgesammeltes, Erkundetes, Erahntes und Behauptetes.

*Sprachrohr des Bürgers: Leserbriefseite des Schwäbischen Tagblatts

Ausschnitte aus der Tübingen-Collage von Sandra Hoffmann:

Dichter // Hören Sie, daraus ergibt sich ganz klar: Ich bin bares Geld! Aus mir müssen Sie etwas machen, mich loben, mich preisen, mich groß machen, wie ich es zu Lebzeiten nicht war. Ich bin da. Ich bin die Attraktion, das Tourismuskonzept schlechthin!

Bürgermeister // Wenn das kein Größenwahnsinn ist!

Dichter // Ich bin weitaus mehr als ein Wahrzeichen wert, ich bin weitaus mehr als einen einzigen Raum in ihrem Stadtmuseum wert, ich habe dieses Haus verdient. Als meines! Ich habe diese Räume verdient! Dichter besiedeln. Sagen Sie immerzu.

Miezi // Ach so. Sie kennen mich ja gar nicht. Ich bin Miezi. Mir gefallen schöne Sätze. Zum Beispiel: Entschuldigen Sie, ich lasse mich doch nicht von Ihnen benutzen! Schöner Satz! Wunderbarer Satz! Ich lasse mich immerzu benutzen! Ich werde bezahlt für meine Schreibdienste, ich werde bezahlt, weil ich eine Datenträgerin in ganz menschlichem Sinne, in ganz modernem Sinne bin. Ghostwriting. Nur so wird man was. Kennen Sie mich? Nein. Ganz genau. Sie kennen mich nicht. Sie kennen meine Straße, sie kennen die Namen meiner Mitbewohnerinnen und Mitbewohner, aber sie kennen nicht unsere Gesichter. Ich bin Miezi. Verstanden. Die Chefin vom Haus und ich kenne mich aus.

Taube // Der Bürgermeister hat sich neulich gegen Rassismus in der Stadt ausgesprochen und für Toleranz. Integration. Etc. Gehören die Tiere auch dazu! Meinen wir! Und immerhin, wer außer uns und dem Hölderlin hat denn noch einen Turm am Neckar, keiner. Wenn der auszieht, sind wir noch da.

Jemand // Ja, und jetzt zahlen wir auch noch Steuern für die Neckar­tieferlegung!

 

Bilder © Jan Münster

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Bilder © Jan Münster