Weihnachten bei Ivanovs

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Die russische Groteske “Weihnachten bei Ivanovs” hatte im Maxim Gorki Theater Premiere

Blutiges Weihnachtsmärchen

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“Tom Kühnel und Robert Schuster, zwei glänzend begabte Studenten der Ernst-Busch-Schauspielschule, haben auf der Studiobühne des Maxim Gorki Theaters mit Kommilitonen eine aberwitzige Groteske, ein blutiges Weihnachtsmärchen des russischen Absurden Aleksander Vvedenskij inszeniert und daraus ein hochkomisches, wunderbar leichtes Kunstwerk gemacht – eigensinnig, mit großer Frische und schauspielerischem Können, das keinen Vergleich mit den großen Berliner Bühnen zu scheuen braucht. Die Bühne: fünf Guckkästen, winzige Zimmerchen, neben- und übereinander gebaut, eine Puppenstube, in der Mord und Totschlag nicht lange auf sich warten lassen. Vvedenskijs Groteske ist eine fröhlich-makabre Moritat und eine bunte Travestie auf die Theaterformen des neunzehnten Jahrhunderts. Die Inszenierung läßt sich virtuos von Mitteln des Jahrmarkttheaters inspirieren. Die Kinder der Familie: Puppen mit seltsam melancholischen Gesichtern. Als eines der Mädchen in der Badewanne obszöne Witze zum besten gibt (“Wozu brauche ich eine Kerze, ich habe Finger”), greift die Amme zu energischen Erziehungsmaßnahmen und hackt der Kleinen den Kopf ab. Die Verhaftung der Amme ist wie eine Opernszene: Die Leiche liegt noch in der Badewanne, als die liebenden Eltern nach Hause kommen und ihrer Trauer Ausdruck verleihen, indem sie sich bemühen, auf dem Kanapee ein neues Töchterlein zu zeugen. Später wird eines der Babys mit der traurigen Bulldogge, dem Haushund der Familie, in der Dämmerung tiefgründige Gespräche führen – die Philosophie, ein Kinderspiel. Am Ende rafft der Tod alle dahin, die Eltern stoßen noch einige Seufzer aus und verenden dann vor’m Tannenbaum – stille Nacht, heilige Nacht. Vvedenskij spielt fröhlich mit dem Schrecken. Seine Menschen sind Puppen, die er gutgelaunt massakriert. Ein blutiges Weihnachtsmärchen und ein wunderbarer Theaterspaß.” Peter Laudenbach +++

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Friedrich-Luft-Preis

Die Auszeichnung wird seit 1992 von der Berliner Morgenpost verliehen. Benannt ist der Preis nach dem langjährigen Morgenpost-Theaterkritiker Friedrich Luft. Bisherigen Preisträger waren:

1995 (dreigeteilt): “Lila”, Regie Stefan Bachmann, Theater Affekt; “Emmi Göring an der Seite ihres Mannes”, Regie Oliver Reese, Studio des Maxim Gorki Theaters; “Weihnachten bei Ivanovs”, Regie Tom Kühnel und Robert Schuster, Ernst-Busch-Hochschule/Maxim Gorki Theater.
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