Small Town Boy von Falk Richter

 

 

You leave in the morning with everything you own…Run away, turn away, run away, turn away, run away.

So besangen Bronski Beat die Flucht eines Jungen aus einer engen Welt von versagter Anerkennung und Unterdrückung in die ferne große, freie Stadt: London, New York, Berlin…

Gefangen in der engen Welt der Provinz flüchtet sich ein junger Mann in die ferne freie Großstadt. Was schon in den 80ern besungen wurde, erzählt Falk Richter in seinem Stück weiter. Wie geht es den jungen Männern und Frauen von damals heute, die sich in den Metropolen neu erfunden haben, ihre Sexualität leben und ganz neue Formen von Lebenspartnerschaften eingehen, die traditionelle Rollen und Bilder verweigern und in Fragestellen, ihre Zugehörigkeiten neu aushandeln, Partnerschaft und Familie neu definieren, all das ausprobieren, was ihnen die Familie Zuhause verweigert hat, zu leben? Kann man anders Mann sein? Anders Frau? Kann man aufhören Sohn oder Tochter zu sein? Kann man Herrschaft verweigern und anders lieben und leben? Die Liebe und wie sie gelebt werden soll, scheint weiterhin das diskursive Schlachtfeld der Stunde zu sein, auf dem viele gegenwärtige Konflikte um geschlechtliche, sexuelle und kulturelle Identitäten in unserem alltäglichen Leben ausgetragen werden. Was kann und soll ein “Mann”, eine “Frau” heute sein? Wie definiert sich in Zukunft Familie, wie Nation und Zugehörigkeit??

In Stuttgart wurde kürzlich an der „Demo für Alle“ regelmäßig gegen „Gender-Ideologie“ und Sexualisierung im Unterricht protestiert. Die Liebe und wie sie gelebt werden soll, scheint weiterhin das diskursive Schlachtfeld der Stunde zu sein, auf dem viele gegenwärtige Konflikte um geschlechtliche, sexuelle und kulturelle Identitäten ausgetragen werden. Darf man noch anders Mann sein, anders Frau? Die wirkliche Freiheit und Gleichheit aller Geschlechter löst Ängste und Widerstände aus. Falk Richter zählt zu den wichtigsten Gegenwartsdramatikern und Regisseuren seiner Generation. Das STAATSTHEATER KARLSRUHE zeigte bereits sein Stück MY SECRET GARDEN und bringt, begleitet von zahlreichen Pop-Songs, nach MAIENSCHLAGER wieder einen Abend über selbstbestimmte Sexualität auf die Bühne.

REGIE Atif Mohammed Nour Hussein BÜHNE & KOSTÜME Petra Korink MUSIK David Rynkowski DRAMATURGIE Michael Gmaj THEATERPÄDAGOGIK Verena Lany

Mit

Veronika Bachfischer/Sithembile Menck , Luis Quintana, Sebastian Reiß, Gunnar Schmidt, Meik van Severen

PREMIERE 05.06.2016

“… hoffentlich kommt christian heute noch mit seinem helikopter vom suhrkampverlag hier rübergeflogen und befragt mein Inneres nach dem RECHTEN. Hoffentlich befragt er mein Inneres nie NACH DEN RECHTEN. ich meine den RECHTEN UND DEN RECHTEN also den ganzen rechten hier in diesem land die mich offenbar alle gewählt haben weil das offenbar völlig an denen vorbeigegangen ist WAS FÜR EINE SCHEISSPOLITIK ICH IN DEN LETZTEN JAHREN GEMACHT HABE und den RECHTEN IM LAND die wir unentwegt mit füßen treten. aber darauf, getreten zu werden stehen die leute aktuell irgendwie: andauernd will jeder getreten werden, getreten werden ist der neue hype das will jeder und zwar mit und OHNE analpropf. das PERSÖNLICHKEITSRECHT zum beispiel falls es so etwas jemals in deutschland gegeben haben sollte, ist TOTAL GEIL DARAUF unentwegt getreten zu werden und zwar mit meinen neuen lederboots von manolo DINGSBUMS oder wie diese scheiße heißt ich weiß auch gerade nicht WARUM ICH HIER SO REDE WIE ELFRIEDE JELINEK DIE GERADE ZU SHADES OF GREY ONANIERT aber irgendwie kriege ich diese unglaublich debile SM scheiße die die hälfte aller biodeutschen frauen mit hochschulabschluss in den letzten monaten auf nahezu unersättliche weise verschlungen haben NICHT MEHR AUS MEINEM DURCH DIE AUFLÖSUNG ALLER GENDERGRENZEN UND DEN VERLUST KLAR GETRENNTER GESCHLECHTSSPEZIFISCHER VERHALTENSWEISEN VIEL ZU BEFREITEN KOPF mein kopf soll nicht immer so frei entscheiden dürfen DAS MACHT DEN WAHNSINNIG der braucht KLARE ANSAGEN und dafür ist es manchmal einfach echt gut so ein paar UNTERKOMPLEXE SÜDLÄNDISCHE ODER OSTEUROPÄISCHE MÄNNLICHKEITSKONSTRUKTE UM SICH HERUM ZU HABEN DENN HETERONORMATIVITÄT GIBT EINER GEBILDETEN MODERNEN FRAU IN FÜHRUNGSPOSITION AB UND ZU AUCH EINFACH DEN HALT DEN SIE BRAUCHT UM NICHT KOMPLETT VERRÜCKT ZU WERDEN …”

aus SMALL TOWN BOY
von Falk Richter
Uraufführung: 11. Januar 2014, Maxim Gorki Theater Berlin

 

Gunnar Schmidt, Sithembile Menck

“Wieso läufst du immer an mir vorbei?

Wieso bleibst du nie stehen?

Wieso kannst du dich nie entscheiden?

Warum sagst du nie JA?

Warum rufst du nach dem ersten Date nie zurück?

Warum küsst du mich nicht zum Abschied?

Warum hast du kein Verlangen nach mir?

Warum willst du nie MEHR?

Warum willst du nie mehr als einfach so alles irgendwie so ‘n bisschen in der Schwebe zu halten?

Ich will dich,

mit dir zusammen sein,

dich sehen,

dich anfassen,

dich einfach mal ein paar Abende hintereinander hier haben, hier bei mir, ohne immer wieder auszuhandeln, ob du bleibst und wann du wiederkommst,

ohne aufzuwachen und festzustellen, dass du nachts wieder abgehauen bist wohin auch immer und dann drei Tage nichts mehr von dir zu hören oder überhaupt nicht mehr oder WAS WEISS ICH, ICH VERSTEHS NICHT EHRLICH.

Aber das macht dir Angst,

das engt dich ein,

das VERUNSICHERT DICH,

alles, alles, was nicht offen unentschieden, NICHT FESTGELEGT bleibt, VERUNSICHERT DICH.

Was ist so schlimm daran, das jetzt einfach mal zu versuchen.

‚JA‘ SAGEN, NICHT NUR VIELLEICHT.

DIE MÖGLICHKEITEN BEGRENZEN.

Nur du und ich, nur du und ich.

LIEBE,

VERTRAUEN,

VERBINDLICHKEIT,

ZUEINANDER HALTEN,

geht nicht,

geht alles nicht mehr,

will keiner mehr …”

aus SMALL TOWN BOY
von Falk Richter
Uraufführung: 11. Januar 2014, Maxim Gorki Theater Berlin

Sithembile Menck, Sebastian Reiß

Presse

Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 09.06.2016

Atif Mohammed Nour Hussein hat den Text ideenreich inszeniert und dabei eindringliche Bilder geschaffen. Dabei entfaltet sich das Werk als eine Abfolge von Monologen mit teils tragischen, teils auch amüsanten Zeugnissen gleichgeschlechtlicher Selbst- und Fremderfahrung wie etwa der verzweifelten Klage eines verlassenen älteren Homosexuellen (anrührend gespielt von Gunnar Schmidt) oder den Selbstzweifeln des schüchternen Jungen (Luis Quintana) auf der Suche nach seiner sexuellen Identität. Eingelassen in solche Passagen … sind pointierte Einlagen von mehr oder minder absichtsvoller Ironie, in denen etwa in Anspielung auf die TV-Soap „Verbotene Liebe“ ein kitschiges Schwulendrama karikiert wird, eine perverse Society-Ziege (grandios verkörpert von der überragenden, vielseitigen Veronika Bachfischer) ihre überhitzte Libido vor dem Hintergrund des Gemetzels aus Hitchcocks „Psycho“ befriedigt oder eine schwülstige Transen-Diseuse (Meik van Severen) ihre Wünsche mit „There’s A Place For Us“ aus der „West Side Story“ beseufzt (und zugleich desavouiert). Da sind die Grenzen zwischen Parodie und Geständnis, Kabarett und engagierter Parteinahme, Klamauk und Anliegen fließend.

BNN, Sibylle Orgeldinger, 08.06.2016

… Sie haben es nicht leicht auf der Suche nach ihrer Identität, die Figuren in „Small Town Boy“, einem Stück über Homosexuelle, die aus der spießigen Enge einer Kleinstadt in eine Metropole geflohen sind. Als erstes Haus nach dem Maxim-Gorki-Theater Berlin führt nun das Badische Staatstheater in Karlsruhe das Stück auf. Autor Falk Richter hat den Text erweitert und stärker auf die neue Homophobie fokussiert, wie sie im vergangenen Winter bei der konservativen „Demo für alle“ in Stuttgart artikuliert wurde.

„Sexuelle Vielfalt, das ist Quatsch“: Schwäbisch gefärbte O-Töne von der Demo leiten den Abend ein. Homosexualität sei eine Krankheit, widerspreche der Natur und dem Willen Gottes. Eine Erklärung für diese Einstellung liefert Autor Falk Richter später: Globalisierung, Digitalisierung und exzessive Datensammelei hätten die Menschen verunsichert, sie verlangten nach klaren Unterscheidungen wie „hetero ist gut – homo ist böse“ …

 

… der Regisseur setzt auf mehrfache Brechungen, lässt die Darsteller Veronika Bachfischer, Luis Quintana, Sebastian Reiß, Gunnar Schmidt und Meik van Severen mit kleinen Puppen auf einer Art Mini-Bühne auf der Bühne spielen sowie sich selbst und gegenseitig filmen, während sie wechselnde Rollen übernehmen …

Sebastian Reiß, Luis Quintana

 

Männer, Kriss Rudolp, 07.06.2016, 26.06.2016

Den Karlsruhern ist mit „Small Town Boy” ein Import gelungen, der mehr ist als eine Kopie der Orginalproduktion. Mit dem Vertreter eines schwulen Mannes aus der älteren Generation – dargestellt von einer Puppe, die Martin Danneker zitiert („Schwule wollen nicht schwul sein, sondern so spießig und kitschig leben wie der Durchschnittsbürger”) – gelingt Regisseur Hussein eine lohnenswerte Erweiterung, und das Badische Staatstheater meldet sich einmal mehr mit einem Kommentar zu politischen Misständen hierzulande zu Wort.

Lesen Sie die ganze Kritik hier.

 

Nachtkritik, Steffen Becker, 07.06.2016

In diesem Leben werden Beatrix von Storch, Birgit Kelle, Hedwig von Beverfoerde und Falk Richter keine Freunde mehr. Nachdem Gerichte eine Klage gegen den Autor wegen der Darstellung seiner homophoben Gegnerinnen im Stück “Fear” abgeschmettert hatten, legt er mit einem Update seines vorangegangen Werks “Small Town Boy” nach. Am Staatstheater Karlsruhe erhalten (wenig vorteilhafte) Bilder der Pin-Up-Girls ultrakonservativer Gruppierungen nun ebenfalls einen Platz – in einem Gruseldiorama mit Wladimir Putin. Regisseur Atif Hussein projiziert sie groß auf die Leinwand. Ätsch Mädels, die Runde geht an die Homolobby.

Die ganze Kritik finden Sie hier.

Gunnar Schmidt, Meik van SeverenFotos: Felix Grünschloß

Wake
From your sleep
The drying of
Your tears
Today
We escape
We escape
Pack
And get dressed
Before your father hears us
Before
All hell
Breaks loose
Breathe
Keep breathing
Don’t loose
Your nerve
Breathe
Keep breathing
I can’t do this
Alone
Sing
Us a song
A song to keep
Us warm
There’s
Such a chill
Such a chill
You can laugh
A spineless laugh
We hope your
Rules and wisdom choke you
Now
We are one
In everlasting peace
We hope that you choke
That you choke
We hope that you choke
That you choke
We hope
That you choke
That you choke

 

Orlando, 12. Juni 2016

Orlando 2016

IMG_0187

Berlin, 18. Juni 2016

 

Die Revolution des Mainstreams oder: Wenn rassistische Stereotype mit Judith Butler gerechtfertigt werden. Ein Bericht zur Abschlussdiskussion der Juror_innen des 50. Theatertreffens

Die Revolution des Mainstreams oder: Wenn rassistische Stereotype mit Judith Butler gerechtfertigt werden. Ein Bericht zur Abschlussdiskussion der Juror_innen des 50. Theatertreffens

Interview #1

Beschreiben Sie doch bitte Ihre Arbeit für den „Sturm“.

Bild

Die Zusammenarbeit für den „Sturm“ entstand aus den Wünschen des Puppentheater der Stadt Halle mit Gastregisseuren eine ‘große’ Theaterproduktion entstehen zu lassen und aus den Wünschen der Regisseure ein Stück mit Puppen und Menschen zu inszenieren und mit einem (für Puppentheaterverhältnisse) großen Ensemble und sehr professionellen, im Ensemblespiel erprobten Darstellern zu arbeiten. Die Koproduktion mit Köln ist eine wundervolle Folge der Besetzungspolitik.

Da die Entscheidung für die Zusammenarbeit mit Tschirner/Weise über ein Jahr vor Probenbeginn fiel, das Konzept der beiden Regisseure sehr früh stand und es zwischen uns eine sehr große Vertrautheit durch die vielen gemeinsamen Projekte gab, ließ sich auch schnell eine gemeinsame Sprache für diese Arbeit finden.

Beiden waren andere Puppenausstattungen von mir bekannt, so dass es keine Verständigungsschwierigkeiten über den Stil der Puppen, über die Ästhetik oder anders, über ihren „Look“ gab. Mein „Stil“ war in diesem Sinne die Voraussetzung für die Gestaltung der Puppen. Für verschiedene technische Besonderheiten, die den Körperbau der Puppen betreffen, holten wir uns den Berliner Puppenbauer Ingo Mewes mit ins Boot, der den beiden Regisseuren ebenfalls durch verschiedene Zusammenarbeiten bekannt war. Alles, was nicht als Voraussetzung vorhanden war, wurde durch viel Reden, endloses Bilder anschauen, und die bei Theaterleuten übliche „emotionale“ Kommunikation entwickelt. Am Ende lässt sich manchmal nicht ermitteln, welche Idee von wem stammte und es interessiert auch niemanden mehr.

Da die Textfassung, nach der Tschirner/Weise inszenieren wollten, auch sehr früh im „Großen und Ganzen“ feststand, war sehr schnell klar, welche Spielweise angestrebt wird, wieviele Puppen, wieviele Spieler es geben wird und ähnliches mehr. Diesen Parametern unterwirft sich dann vieles, was den Puppenbau betrifft, so zum Beispiel die Größe der Puppen, die Puppenführungstechnik ( Marionetten, Stabpuppen, Handpuppen etc.) oder eben diese sogenannten Ganzkörperpuppen, deren Köpfe von innen und deren Körper und Gliedmaßen direkt von außen geführt werden. Im Vergleich zu Marionetten mit ihren Fäden ist dieser direkte Zugriff eine wesentliche Voraussetzung für die Kraft und die Dynamik der Puppen.

Entwerfen Sie gemeinsam mit den Regisseuren die Charaktere der Puppen oder entstehen diese dann erst im Spiel?

Bei dieser Produktion haben wir uns ziemlich detailliert über die Charaktere der einzelnen Puppen unterhalten und was dies für ihr Aussehen bedeutet. So haben wir zum Beispiel festgelegt, ob eine Puppe dick oder dünn, groß oder klein, alt oder jung ist. In die Gestaltung des Gesichtes greifen Regisseur*innen normalerweise nicht ein, nur in so fern werden Wünsche geäußert, dass der Ausdruck einer Puppe diese oder jene Grundhaltung der entstehenden Figur bereits von vorn herein widerspiegelt.

Wie erklären Sie es sich, dass man als Zuschauer nach relativ kurzer Zeit die Puppen als eigenständige Wesen wahrnimmt? Wie kommt es, dass es so scheint, dass die Puppen ihre Mimik ändern?

Ansonsten gilt mein Credo: Es ist bedeutsam für das Wunder der Animation, Dinge zu erschaffen, die in den Händen der Puppenspieler*innen die Ambivalenz der Figur erkennen lassen und der Projektion der Zuschauer*innen standhalten. Das heißt, ich muss beim Gestalten der Puppen trotz eines unveränderlichen Aussehens sowohl den Darsteller*innen, als auch den Regisseur*innen und damit dann auch den Zuschauer*innen die Möglichkeit geben, unterschiedliche Haltungen, die während der Gestaltung der Rolle und dann während der Vorstellung entwickelt werden, auch glaubhaft in der Puppe wiederzufinden. Das beantwortet sicherlich auch die Frage, warum es so erscheint, dass Puppen ihre Mimik ändern. Je nachdem, was in den Gesichtern zu finden ist und was die Puppenspieler*innen durch die Art, wie sie eine Puppe bewegen (Kraft, Dynamik, Gangarten, usw.), welche Stimmen sie ihnen leihen, welchen Sprechgestus sie erfinden und wie facettenreich sie eine Rolle gestalten und das dann alles durch die Puppe „schicken“, um so verblüffender wird die Wirkung sein und bei Betrachter*innen den Eindruck erwecken, die Puppen lebten und seien wie Menschen in ihren Möglichkeiten etwas auszudrücken nahezu uneingeschränkt. Es ist nicht unwichtig zu wissen, dass ein Teil dieses „Wunders der Animation“ auch durch die Zuschauenden entsteht. Unsere Sehgewohnheiten, unser Vermögen, Gesehenes zu deuten, einzuordnen und der naive Wunsch, sich verzaubern zu lassen oder anders, das Einhalten der Verabredung, dass mir im Theater etwas „vorgespielt“ wird, und das auch so sein soll, ermöglicht in erheblichem Maß diese Theaterform.

Wie ist die zeitliche Reihenfolge? Entstehen die Puppen parallel zur Arbeit oder sind sie zu Probenbeginn bereits einsatzfähig? Gibt es während den Proben noch Veränderungen?

Die Puppen werden normalerweise vor Beginn der Proben vorbereitet, so dass die Darsteller*innen ihr Instrument, bevor sie anfangen zu proben, in den Händen halten.

Änderungen sind selbstverständlich nie ausgeschlossen, können aber, was die Puppen betrifft, zu so einschneidenden Veränderungen führen, dass meistens davon abgesehen wird und wenn alles gut vorbereitet ist, dann werden Änderungen an den Puppen häufig nur in bezug auf ihr Kostüm oder die Haarfarbe unternommen.

Work in progress ist bei dieser Art von Puppen sehr schwer zu realisieren, da sie in ihrer Herstellung sehr aufwändig sind. Die Anfertigung einer solchen Puppe kann bis zu 14 Tagen dauern. Im „Sturm“ haben wir neun Puppen. Sie können sich also leicht ausrechnen, wie lang der Vorlauf für einen Puppenbauer eigentlich sein müsste. Diese Zeit bekommt man von der Regie eigentlich so gut wie nie. Aber im Falle dieser Produktion, ging es moderat zu.

 

Reisen die Puppen mit Ersatzteilen?

Normalerweise reisen die Puppen nicht mit Ersatzteilen. Die meisten Dinge gehen während des Probenprozesses kaputt, so dass durchaus die Hoffnung besteht, dass zum Ende dieses Prozesses alles, was während des Spiels kaputtgehen kann, einmal kaputt gegangen ist. Die Beanspruchung der Puppen während der Vorstellung ist bedeutend geringer als während der Proben. Aber alle paar Wochen müssen sie „gewartet“ werden. Das Meiste sind jedoch Schönheitsoperationen: Frisuren, Kostüme und hier und da ein bisschen Farbe.

Haben Sie bei der Premiere für Ihre Puppen Lampenfieber?

Lampenfieber kenne ich nicht. Sollte allerdings während der Premiere oder einer anderen Vorstellung etwas Unerwartetes geschehen, dann kann es schon zu einem deutlichen Anstieg der Herzschlagfrequenz führen. Hinzu kommt, dass man gewöhnlicher Weise während einer Aufführung nicht die Möglichkeit hat, von „außen“ einzugreifen. Da kann man nur auf die Gelassenheit der Spielenden und deren Professionalität vertrauen.

Bild