Tyrannen

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Antigone stirbt.

Aber nicht durch meine Hand und auch nicht durch die Hand eines anderen Mannes dieser Stadt.

Auch werde ich keinen Befehl zu ihrem Tod geben. Ich werde die Stadt nicht mit weiterer Schande beladen.

Bringt sie hinaus aufs offene Land. Legt sie in eine Felsengrube und mit ihr reichlich Nahrung, Wasser und auch Licht.

Die Öffnung sperrt mit einem Stein.

Der Bezirk darum sei ab sofort für jedermann verboten.

Dort mag sie dann nach Herzenslust zu ihrem Todesgott beten, den sie ja von allen Göttern am liebsten hat.

Und sollte sie nie sterben, dann hat sie Zeit zu sehen, wie überflüssig es ist, Totes zu ehren.

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Kreon:                         Herrscher, meines Landes, König Ödipus, die Stadt, wie du wohl siehst, schwankt schon zu sehr im Wogengang. Sie kann ihr Haupt nicht mehr vom blutigen Grund erheben. Alles stirbt. Kinder, die Herden der Rinder … Alte sah ich schon einen langen Monat nicht mehr. Unsere Mütter gebären nur noch Totes. Feuertragend, schwang er sich herein, der Gott und jagt die Pest, die schlimmste, nun schon allzu lang durch unsere Stadt. Es leert sich das Haus des Kadmos und füllt den Hades reich mit Wehgeschrei und Grabgesängen. Es ist die Sache mit dem alten König Lajos. Du weißt es noch: Er starb, bevor du kamst und seinen Thron und auch sein Weib erhieltst. Sein Mörder ist noch unter uns, so weiß es das Orakel. Und dieser Mord müsse gesühnt werden, durch Ächtung oder durch Tod. Die reinigende Rache dann nimmt das Unheil von der Stadt. Lajos’ Mörder, ist ein Fremder, so sagt man, ein Zugereister, der jetzt ein vollwertiger Thebaner ist. Mit den eigenen Kindern lebt er zusammen, als Bruder! Der gleiche Mann: Bruder und Vater! Und die gleiche Frau, die ihm zur Seite als Gattin sitzt, ist seine Mutter, die auch Gattin seines Vaters war, den er erschlug.

 

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Haimon:

Vater, du weißt, ich bin für dich da, um zu beobachten, was in der Stadt geredet wird, was getan und was getadelt. Und da die Stadt mir ganz vertraut, konnte ich hören, wie sie um Antigone, die Jungfrau, trauern.

Sie, die unschuldigste von den Frauen,

soll elend sterben für die schönste Tat!

Den eigenen Bruder, der im Kampfe fiel,

hat sie nicht ohne Grab verkommen lassen.

Sie hat ihn nicht sein lassen Aas den Hunden

und auch den scharfschnäbligen Vögeln nicht.

Ist sie nicht goldener Ehrengabe wert?

So sagen sie.

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Kreon:                         Und jedes Mal – Teiresias, erinnere dich – jedes Mal ist es mir gelungen, das Schlimmste von der Stadt fernzuhalten. Das Schlimmste, Teiresias: ihren Untergang! In der Pest wäre sie versunken. Ihre Mauern wären von fremden Heeren geschleift worden, hätte ich nicht gehandelt, wie ich es tat. Du sähest zerstoßene Leiber, aufgebrochene Mädchenschöße, hörtest Gejammer und Geschrei. Und jetzt bewahre ich die Stadt vor Anarchie!

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Ödipus:
Ja, ich habe einen Mann erschlagen. Einen alten Mann in einem Wagen! Wieso versperrte mir der blöde Alte auch den Weg. Hätte er nicht warten können, bis ich an ihm vorbeigegangen war. Er hoch auf seinem Wagen mit seinen Männern. Und ich zu Fuß. Der Weg, er war viel zu eng für uns. Das hätte er doch einsehen können. Aber nein, sie stellen sich mir in den Weg und drohen mir, dann schlagen sie mich. Auch der Alte schlug mich nieder. Mit seinem Pferdestachel. Hier hinter das Ohr hat er mich schwer getroffen. Sein Gewand war getränkt von meinem Blut. Und das soll ein Vater sein, der so etwas tut. Wie hätte ich mich nicht wehren sollen gegen ihn. Hätte ich mich erschlagen lassen sollen. Ich habe einen Mann erschlagen. Aber nicht meinen Vater.