Der seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde

 

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Der, das Böse und der, das Gute – nah beieinander auf der Puppenspielbühne in Zwickau.

Foto: Theater Plauen Zwickau

Dr. Jekyll und Mr. Hyde – in Zwickau auf der Puppentheaterbühne

erschienen am 30.04.2012 ( Von Ludmila Thiele )

Ein Mörder lässt die Puppen tanzen

Zwickau. Es geht um die Geschichte eines Doppelgängers, um Schizophrenie: Robert Louis Stevensons Novelle “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” ist wohl eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur, in dem menschliche Abgründe und Kontrollverlust thematisiert werden. Als Theaterstück für Spieler und Puppen kam es nun in Zwickau auf die Bühne – und zwar in einer Fassung, die der Schauspieler Theo Plakoudakis extra fürs Theater Plauen-Zwickau schrieb. Der Schauspieler, der in “Dr. Jekyll und Mr. Hyde” neben den sechs Puppenspielern auf der Bühne steht, ist David Moorbach. Er verkörpert den Mr. Hyde, das extrahierte Böse, das von Dr. Jekyll – durch Experimente an sich selbst – erschaffen wird.

Dabei ist Hyde alles andere als abstoßend. “Er ist eine außergewöhnliche Erscheinung”: So sehen ihn die feinen Herren, die sich ansonsten über Jekylls Thesen von der Trennbarkeit von Gut und Böse mokieren. Dieser Mr. Hyde ist der perfekte Verführer. Als Dandy im Frack wickelt er im Handumdrehen eine versnobt-elitäre Gesellschaft um den Finger und lässt die Puppen – im wörtlichen Sinne des Wortes – tanzen. Riesenapplaus gibt es für den Auftritt und die Choreografie von Emma Harrington, die als Tänzerin dem Zwickauer Ensemble angehört.

Bei alldem sind die Puppen von Regisseur Atif Hussein alles andere als Marionetten. Sie verlangen zwei und mitunter sogar bis zu vier Puppenspieler und sind so naturalistisch, dass der Zuschauer schon allein beim Anblick ins Stauen kommt. Hervorragend ist die Leistung aller Puppenspieler – Detlef Plath, Bernd Häußler, Gundula Hoffmann , Julia Struwe Sophie Bartels und Jonathan Strotbek. Sie sind nicht nur mit Puppenführung und Sprechen beschäftigt, sondern erzeugen mit eigener Mimik und Gestik eine erstaunliche Symbiose zwischen Puppe und Mensch.

Das Stück vermag von der ersten Minute an zu fesseln. Glücklicherweise kommt im “Nebel des Grauens” auch der Humor nicht zu kurz. Eine tragische Liebesgeschichte gehört zu diesem Stück für Erwachsene genauso wie das triebhaft-zügellose Treiben und der Kater danach. Vorgeführt wird die Verführbarkeit von Menschen und deren Faszination am Maßlosen – vor allem am maßlosen Spiel mit der Schöpfung.

Besonders hervorgehoben werden muss auch die exzellente Musikauswahl, die mit einem Stilmix – von Scooter über “Dance with me” bis zu “Maria” und “Freischütz” – auch in tragischen Momenten ein Augenzwinkern erlaubt. Dabei geht der Regisseur Atif Hussein, der zudem für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, sehr sorgsam mit der Vorlage um.

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