Die Leiden des jungen Werther

12. Februar 2005

Puppentheater der Stadt Halle


“Die Leiden des Jungen Werther” von Johann Wolfgang Goethe in der Regie und Textfassung von Christoph Biermeier.

Die Leiden des Jungen WertherIm Rücken die glanzvollen Zeiten, sind die Tapeten vergilbt, die Kulissen abgeblättert, die Schminke verlaufen. Ein heruntergekommenes Varieté-Theater öffnet den Vorhang, um von Werther zu erzählen, dem ewigen Jüngling der Sturm-und-Drang-Poesie, der mit seinem Schuss in den eigenen Kopf für Generationen das Pathos als Heilmittel gegen die Ohnmacht entdeckte. Sogar der Tod wird zum Schwärmer und behaucht das alte Theater bis es glänzt.

Kein Buch der deutschen Literatur hatte eine ähnliche Wirkung. Die Geschichte vom unglücklich verliebten Werther, in dessen persönlichem Scheitern sich plötzlich das Scheitern der ganzen Welt zu vervielfachen scheint, eroberte mühelos Europa. “Werther” konditionierte die Jugend bis in Mode, Sprache, Gefühlswelt und Selbstmord-Ambiente. Der erste Bestseller in deutscher Sprache brachte Napoleon zum Schwärmen, drängte in die Bürgerhäusern und stürmte die Höfe. Goethe verwandt ein Lebenswerk darauf, sein Debüt zu relativieren.

Weniger der Gang der äußeren Handlung, als vielmehr die Erzeugung von Werthers emotionalen Aggregatzuständen wird im Zentrum dieser Inszenierung stehen, der Weg seiner Abgrenzung, Abkapselung, das Sich-Lösen, das Bestehen auf der scheinbaren Unbedingtheit und Totalität von Gefühlen, das Ignorieren der Zeit als große Gleichmacherin. Schlaglichter, stumme Szenen, kurze Episoden werden ein Traumspiel erzeugen: Werther im Moment des Schusses.

Es inszeniert Christoph Biermeier, künstlerischer Leiter der Freilichtspiele Schwäbisch-Hall. Seine beeindruckende Produktion “Schnitt ins Fleisch” am Thalia Theater Halle wurde zum Kinder- und Jugendtheatertreffen nach Berlin eingeladen.

Regie und Textfassung: Christoph Biermeier
Musik: Sebastian Herzfeld
Puppen: Atif Hussein
Bühne und Kostüme: Katrin Busching
Dramaturgie: Ralf Meyer

Es spielen: Margit Hallmann, Heidrun Warmuth a.G., Nils Dreschke, René Marik a.G. und Uwe Steinbach
Live Musik: Sebastian Herzfeld und Matthias Zeller

BildBildBildBildBildBild

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s